Fachtag für Kinderrechte
Am 27.05.2026 fand die rheinlandpfälzische Kinderrechtefachtagung unter dem Motto „Gemeinsam für morgen! Kinderrechte sichern, Umwelt schützen“ statt.
Wir als BUNDjugend Rheinland-Pfalz durften ein Fachforum anbieten 🤩
„How To Umweltbildung: Erster Einblick in Themen- und Umsetzungsideen für (außer)schulische Bildungsarbeit mit konkreten Beispielen und Förderungsmöglichkeiten„
Hier ein paar Impulse aus unserem Fachforum:
Engagement anerkennen
Machen die Kinder vielleicht schon etwas, das gut für’s Klima ist? Viele haben eine wiederverwendbare Trinkflasche und Brotdosen. Das ist super! Zum Loben gehört aber auch dazu, zu erklären, warum etwas wirklich gut ist; dank wiederverwendeten Trinkflaschen wird durch weniger Produktion von Einmal-Plastik-Flaschen CO2 und Müll gesparrt. Somit ist das hilfreich gegen Ressourcenverbrauch, Klimakrise, die Müllkrise und somit gut für Mikroorganismen und Tiere, die Plastik mit Nahrung verwechseln.
Bezüge zur Umwelt herstellen
Dadurch werden Bezüge zwischen Umweltschutz und der Lebensrealität der Kinder hergestellt. Das geht mit Themen: Busfahren schützt die Biodiversität (weniger Verkehr = weniger Wildunfälle, weniger Lärmbelastung; weniger Parkfläche = mehr Grünflächen); recycelte Schulhefte schützen den Regenwald und eine Vintage-Designer-Jacke schützt das Klima.
Mit bestehenden Interessen verbinden
Welche Hobbys haben die jungen Menschen und wo sind Bezüge zu Klimaschutz & co? Warum nicht Pokemon-Karten mit seltenen Arten erstellen, ein grünes Fußballstadion besuchen, in der Mal-AG nachhaltige Farben mischen?
Individualisieren
Einige Jugendliche haben ein klares Bild von umweltbezogenen Engagement: Verzicht, weniger Freiheit und Spaß oder Anstandslosigkeit. Dabei ist Engagement ebenso divers wie die Menschen, die es leisten, und lebt von individuellen Stärken und Interessen. Dies gilt es zu vermitteln und zu fördern.
Vorleben
Zur Individualisierung gehören Vorbilder – auch aus Sport und Popkultur. Listen umwelt-engagierter Berühmtheiten helfen hier. Auch Lehr- und Aufsichtspersonen selbst können Nachhaltigkeit vorleben. Dabei geht es nicht um Perfekt-Sein, sondern darum, Optimismus zu vermitteln.
Best Practices zeigen
Best Practices können ein guter Anhaltspunkt sein, inspirieren und Hoffnung machen. Du findest welche auf der Handeln JETZT! Website. Sie sollten natürlich nicht die eigenen Ideen einschränken.
Engagement attraktiv machen
Je nach Gruppe ist Unterschiedliches erstrebenswert: Statussymbole (E-Autos, Solaranlagen, teure, aber langlebige Kleidung), Erschwinglichkeit (Second-Hand-Mode, Reparierkultur), Zugänglichkeit (öffentlicher Verkehr, Skillshare), Spaß (nachhaltige Hobbies) oder sozialer Anschluss (Pfadfinderei, BUNDjugend).
Altersgerecht erklären
Dazu gehört auch, Kindern und Jugendlichen zuzutrauen, komplexe Problemlagen, Konflikte und Lösungsansätze zu begreifen. Altersgerecht erklärt verstehen junge Menschen sehr gut, was in der Welt geschieht und haben oft das Bedürfnis, Teil der Lösung sein.
Gamifizieren
Eine Möglichkeit, etwas greifbar zu machen und die Motivation zu steigern, ist Gamifizierung. Diese bedeutet, Inhalte spielerisch oder wettkämpferisch umzudeuten. Das fördert Spaß und kann mit individuellen Interessen verknüpft werden.
Erlebbar machen
Gelerntes, das wir mit einem Ort oder einer Sinneswahrnehmung verbinden, merken wir uns länger. Anfassbares, Riechbares und Fühlbares erleben wir stärker. Citizen-Science-Apps wie Flora Incognita bieten eine gute Möglichkeit, spielerisch und erlebbar zu lernen.
Durch Fragen leiten
Da Umwelt- und Klimaschutz oft mit Tadel und einschränkenden Vorgaben in Verbindung gebracht werden, ist es wichtig, Kindern eigene Schlussfolgerungen zu ermöglichen. Durch Fragen kann man den Findungsprozess leiten, ohne ihn vorzugeben. Eigene Aha-Momente und Ideen fühlen sich nach einem Erfolg an und bleiben länger im Gedächtnis.
Ideen aufgreifen und ermöglichen
Dies gilt auch für die Umsetzung von Projekten. Während eine strukturelle Stütze für Jugendliche angenehm ist, sollten Ideen und Gestaltung maßgeblich von ihnen bestimmt werden.
Recherche leisten; Umsetzung überlassen – Unterstützung anbieten
Eine Aufsichtsperson kann unterstützen, indem sie Recherchearbeitet leistet, Umsetzungsmöglichkeiten vorstellt und eventuelle unerwünschte Folgen abwehrt. Dabei können sich Lehr- und Aufsichtspersonen an Expert*innen wenden. Diese freuen sich, ihr Lieblingsthema an junge Menschen zu vermitteln und diese zu motivieren. So werden Ideen der jungen Menschen ernst genommen und sie erhalten Hilfe zur Selbsthilfe.
Selbstkompetenz steigern
Dies steigert auch die Selbstkompetenz der jungen Menschen, welche ihnen in der Zukunft helfen wird, Probleme und Konflikte zu verstehen. Angesichts steigender Desinformationen und Wissenschaftsfeindlichkeit wird dies immer wichtiger.
Nachhaltige Materialien verwenden
Gibt es nachhaltige Alternativen für deine Projektmaterialien? Second-Hand-Ware existiert im Überfluss und ist günstiger. Neue Einmalprodukte sind schlecht, auch wenn sie aus Papier sind. Dinge aus Plastik, die du schon hast und die oft verwendet werden können sind besser als Einmalprodukte oder Neukäufe. Auch Natur- materialien (Kastanien, Laub, Rinde) können ohne Kleber mit Zahnstochern oder Fäden zu etwas Neuem werden.
Müll vermeiden
Verpackungsmüll kann zu einem gewissen Grad vermieden werden. Auch kann Verbrauch verringert werden; z.B. können Bastelschnipsel für Pappmaschee gesammelt werden.
Upcycling
Upcycling ist nur nachhaltig, wenn etwas Kaputtes eine neue Funktion erhält: Eine zerkratzte Schallplatte und ein zersplittertes Ziffernblatt können eine coole Uhr werden. Zwei kaputte Jeans können eine Tasche werden, kaputtes Geschirr ein Moasik.
Wiederverwendbar oder Entsorgbar?
Dabei können Materialien recyclebar bleiben. Dafür sollten die einzelen Komponenten voneinander trennbar sein. Ein Marmeladenglas verziert mit Plastik-Strass-Steinen kann später nicht mehr ins Altglas; Papier hingegen kann abgewaschen werden.
Pfand bleibt Pfand
Mehrwegflaschen, Plastikflaschen, Pfandkisten und Kork sind Teil der Kreislaufwirtschaft, die wir nicht unterbrechen möchten. Nutze lieber Materialien, die sonst Müll darstellen.
Langlebige Strukturen
Während kurzzeitige Ideen zunächst einfacher erscheinen, schaffen längerfristige mehr Mehrwert für mehr Menschen. Aus einer Müllsammelaktion kann ein Spendenprojekt zur Aufstellung von mehr Mülleimern werden. Pfandbehälter können regelmäßig von einer Klassenstufe gelehrt werden und so Finanzierungsmöglichkeiten geschaffen werden. In einer AG kann altersübergreifend Wissen weitergegeben werden.
Pflanzaktionen
Bei Pflanzaktionen sollte Bio- oder Regio-Saatgut verwendet und seltene Arten bevorzugt werden. Auch sind die Spezifika der Standorte zu beachten und es sollten nicht-invasive, heimische Arten gewählt werden. Wege sollten nicht versiegelt sein. Jeder Schulgarten muss gegossen werden! Kann dafür eventuell eine Regentonne aufgestellt werden? Gibt es verschiedene Habitate, zum Beispiel auch Sand oder eine Steinmauer, vielleicht sogar einen Teich?
Recherche
Das alles erfordert gegebenfalls einen Blick ins Internet. Websiten wie Utopia, BUND, BUNDjugend und NABU/NAJU bieten verlässliche Informationen zur Sinnhaftigkeit von Projekten, Materialien oder Ausflügen.
Expert*innen fragen
Sollte dennoch Unsicherheit bestehen, können Exptert*innen kontaktiert werden. Diese freuen sich in der Regel, ihr Wissen zu teilen, um mehr Nachhaltigkeit zu erreichen. BUNDjugend und Handeln JETZT! in RLP unterstützen hier gerne.
Zeitaufwand reduzieren
Viele Lehr- und Aufsichtspersonen haben einen engen Zeitplan und wenig Ressourcen. Wenn man Natur und Klima stets mitdenkt, spart man Zeit und Geld. Gleichzeitig werden Bezüge zur Umwelt omnispräsent, wie es sein sollte. Wenn in der eigenen Struktur keine Zeit übrig ist, können nachhaltige Freizeitaktivitäten empfohlen werden, wie lehrreiche Podcasts, Filme/Serien/Videospiele mit Umweltbezug oder ein Öko-Cafe.
Integrieren
Umwelt und Klimathematiken können in jedem Workshop oder Schulfach integriert werden. Warum nicht in Mathe CO2-Einsparungen eines Kleidertauschs berechnen oder im Sport “ploggen” gehen? Eine Möglichkeit, Zeit zu sparen, ist Aufgaben mit nach Hause zu geben, die dort Wirkung haben, wie: Suche eine heimische Blumenart in deinem Garten oder auf dem Schulhof.
In Ausflügen integrieren
Auch bei Ausflügen kann auf ein en CO2-Ausgegleich oder einen Bezug zur Natur geachtet werden. Vielleicht kann auf dem Weg ins Museum eine halbe Stunde Müll gesammelt werden oder das Mittagessen vegan oder saisonal sein. Je nach Gruppengröße machen öffentliche Verkehrsmittel mehr Sinn und haben einen geringeren Verbrauch als seperat gebuchte Verkehrsmittel. Motiviere deine Teilnehmenden, Verpflegung in wiederverwendbaren Behältern zu transportieren. Beziehe deine Teilnehmenden in diese Überlegungen mit ein.
Klimamüdigkeit vermeiden: Zuversicht vermitteln
Klimamüdigkeit und Ohnmachtsgefühle sind ernsthafte Probleme, die Individuen und die Gesellschaft stark belasten. Während natürlich keine Probleme beschönigt werden sollten, sollten stets Optionen, Lösungen und Wege mit Zuversicht vermittelt werden.
Handlungsfähigkeit und Resilienz fördern
Dadurch werden Handlungsfähigkeit und Resilienz gesteigert – wichtige Werkzeuge in Krisenzeiten. Ab und zu gibt es gute Nachrichten, die wir feiern können, und die uns Lösungen aufzeigen! Dazu gibt es zum Beispiel die Utopia Good News sowie mehrere Tiktok- oder Youtube Kanäle zur Inspiration. Resilienz wird auch durch Gemeinschaft gestärkt; Das Formulieren von Bedürfnissen kann in Gefühlsrunden geübt werden.
Eigenverantwortung vs. Klimaschuld
Damit einher geht ein gewisses Maß an Verantwortung für einen Beitrag zum Natur- und Klimaschutz. Aber: Junge Menschen sind am wenigsten Schuld am Klimawandel und können weder die Last der Welt tragen, noch als Individuum die Welt retten – nur gemeinsam können wir die Welt bewegen und Veränderungen auf unserem Lieblingsgebiet anstoßen.
Ökologischer Handabdruck
Der ökologische Handabdruck ergänzt den verantwortungsbewussten Ressourcenumgang des ökologischen Fußabdrucks und schreibt “Mitwirken” ganz groß. Nicht nur sollen wir negativ über Verbrauch und Vermeidungen nachdenken, sondern auch proaktiv und positivitisch gesamtgesellschaftliche Veränderungen anstoßen: Eine Petition unterschreiben, sich für einen neuen Fahrradweg einsetzen oder das Bürogebäude begrünen. Jedes Gespräch über Natur und co. gehören dazu – und, dass du dieses Dokument gelesen hat. Daher: Danke Dir!
Eine Gemüsedemo ist ein Beispiel für niederschwellige Umweltbildung. Mit einer einfachen Methode können Themen wie Demokratielernen, sich für die eigene Meinung stark machen, Lebensmittelverschwendung, Ernährung, Landwirtschaft (reginal, saisonal, bio, fair…) angesprochen und sichtbar gemacht werden. Ob als Themeneinstieg und kleiner „Eyecatcher“ wie bei unserem Fachforum oder selbst organisiert aus der Gruppe, immer wieder eine lohnenswerte Methode.
An dieser Stellen möchten wir uns nocheinmal herzlich für die Einladung und die tolle Organisation des Fachtags bedanken! Der Austausch in unserem Fachforum war auch für uns sehr wertvoll – toll wie viele Ideen es schon gibt! Wir hoffen, dass wir ein paar Impulse geben konnten, um den Herausforderungen entegegenzuwirken.
Wir haben uns auch sehr gefreut, dass alle Teilnehmenden jeweils einen unserer Umweltbildungsordner mitnehmen konnten.
Du kennst unsere Methodensammlung zum Thema Natur, Umwelt und Gesellschaft noch nicht? Gerne stellen wir auch dir, deiner Schule, deinem Team und allen Inetressierten einen Ordner kostenlos zur Verfügung!